APOaktuell 04 2018 Sodbrennen

Was uns so Alles sauer aufstößt.

Fachkommentar: Mag. Pharm. Adelheid Tazreiter

… die neue Arbeitszeitregelung, der grantige Chef, das trübe Wetter oder ganz von innen kommend: der saure Magen

Wobei das eine auch zum anderen führen kann, denn Sodbrennen – wie saures Aufstoßen medizinisch korrekt bezeichnet wird – hat oft auch psychische Co-Faktoren als Auslöser. Stress, vor allem wenn er dauerhaft ist, oder auch anhaltende seelische Kränkungen verursachen bei manchen Menschen einen so genannten Reizmagen oder eine Entzündung der Magenschleimhaut.

Zu den charakteristischen Beschwerden zählen Sodbrennen, Oberbauchschmerzen, Brennen bis zum Hals herauf, Verdauungsprobleme und Magendrücken und Erbrechen.

Sobald wir in ein Lebensmittel beißen, beginnt der Vorgang des Verdauens. Schon während unsere Geschmacks-Knospen noch signalisieren, ob dieser Bissen lecker oder ekelig ist, beginnt in der Mundhöhle die erste enzymatische Aufspaltung der Nahrungsbestandteile. Weiter marschiert der Bissen durch die Speiseröhre in den Magen, dann in den Dünndarm und schließlich in den Dickdarm. Auf diesem Weg werden die einzelnen Bestandteile des Bissens durch verschiedene Enzyme in immer kleinere Einheiten zerlegt und falls möglich im Dünndarm ins Blut aufgenommen. Der unbrauchbare Rest gelangt in wohlbekannter Form nach außen.

Unser Magen ist ein bedeutender Teil dieses Verdauungsapparates. Er ist zur Gänze mit Schleimhaut ausgekleidet, die mehrere wichtige Aufgaben zu erfüllen hat. Sie bildet Magensäure, Verdauungsenzyme und Hormone. Zudem schützt sie die Magenwand und die darunterliegende glatte Muskulatur vor der extrem ätzenden Magensäure, welche einen pH-Wert von etwa 1,5 aufweist und Krankheitserreger aus der Nahrung abtöten kann. Am unteren Ende der Speiseröhre gibt es einen Schließmuskel (= Magenmund, Kardia), der normalerweise verhindert, dass Magensäure in die Speiseröhre zurückfließen kann.

Doch bei einer Überproduktion an Magensäure oder einer Störung der Funktion des Magenmundes, drängt die brennende Magensäure in die Speiseröhre hinauf (Reflux) oder sie greift die Magenschleimhaut an, die sich auf Dauer entzünden (Gastritis) kann und in manchen Fällen Geschwüre bildet. Auch Magen-Infektionen (z.B. mit dem Bakterium Helicobacter pylori) oder ein sogenannter Reizmagen führen zu ähnlichen Symptomen. Eine besondere Form des Sodbrennens entsteht in der Schwangerschaft durch den Platzmangel im Bauchraum.

Auslöser für eine vermehrte Bildung an Säure oder eine Schädigung der Mageninnenwand sind neben ernsthaften Erkrankungen leider allzu oft unsere lukullischen Genüsse. Fetthaltige, stark gewürzte Speisen, Zwiebel, Knoblauch, Zitrusfrüchte, Schokolade sowie Nikotin und Alkohol reizen die Schleimhaut und erzeugen Druck im Magen oder Übelkeit. Auch Schmerzmittel, allen voran die so genannten nicht steroidalen Antirheumatika (z.B.: Diclofenac, Acetylsalicylsäure u.a.), greifen die Magenschleimhaut an. Bei empfindlichen Personen ist die Anwendung dieser Wirkstoffe daher nicht empfehlenswert, sondern ein Ausweichen auf andere Substanzen sinnvoll (z.B.: Paracetamol u.a.).

Die schnellstmögliche akute Abhilfe bieten Mittel, welche die Säure „neutralisieren“ und die Schleimhaut vor dem weiteren Säureangriff schützen.

Eine dauerhafte Besserung führt über eine Umstellung des Ernährungsverhaltens und die Reduktion von Stressfaktoren. Da Magenprobleme jedoch auch durch schwerwiegende Krankheiten ausgelöst werden können, ist eine Abklärung durch den Arzt auf jeden Fall anzuraten. Er stellt die Diagnose und verordnet gegebenenfalls eine entsprechende Therapie.

Behandlung

Schulmedizin

  • Antazida: wirken basisch, neutralisieren die überschüssige Säure i Akuthilfe! Wirkstoffe: Na, Ca, Mg-Carbonat, Alginate
  • Protonenpumpenhemmer: hemmen die Magensäureproduktion; Wirkstoffe: Pantoprazol, Lansoprazol, Omeprazol u.a.
  • H2-Antihistaminika: hemmen die Magen-säureproduktion; Wirkstoffe: Famotidin, Ranitidin u.a.

Alternative und pflanzliche Mittel

  • Kombination pflanzlicher Auszüge, die schleimhautschützend und krampflösend wirkt, enthält: Bittere Schleifenblume, Angelika, Kamille, Kümmel, Melisse, Pfefferminz u.a.
  • Arzneitees: Kamille, Malvenblatt („Käsepappel“), Eibischwurzel – beruhigen die Magenschleimhaut; Fenchel, Kümmel – wenn Blähungen dabei sind.
  • Mineralerde („Heilerde“) zum Einnehmen.
  • Homöopathie: Nux vomica u.a.

Zusätzliche Tipps:

  • Auf säurebildende Speisen verzichten (Mehlspeisen, raffinierte Öle, fette Lebensmittel, Fruchtsäfte, Alkohol u.a.)
  • Nicht vor dem Schlafengehen und kleine Portionen essen
  • Kopfteil des Bettes etwas anheben
  • Engsitzende Bekleidung vermeiden
  • Bei Übergewicht: Kilos abbauen
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