Fachkommentar: Mag. pharm. Gabriele Müller |

Die Atemwege – Offene Türe für Keime.

Zwei- bis dreimal im Jahr erkrankt ein Erwachsener statistisch an einer Erkältung.

Kleinkinder sogar noch häufiger. Denn unsere Atemwege sind ständig Umwelteinflüssen wie Staub, Rauch, Abgasen, Bakterien, Viren und Pilzen ausgesetzt. Im Normalfall schützen wir uns mit einem genialen Selbstreinigungsmechanismus: An den feuchten, klebrigen Schleimhäuten unserer Atemwege bleiben auch allerkleinste Eindringlinge wie Staub, Verunreinigungen und Krankheitserreger hängen. Diese werden dann mit Hilfe von feinsten Flimmerhärchen Richtung Mundhöhle transportiert. Durch Aushusten oder Verschlucken entledigen wir uns dann dieser unerwünschten Fremdkörper.

Doch schwächelt unser Immunsystem, können Keime diese Abwehr überwinden.

Meist gelingt es zunächst Viren in unsere Schleimhautzellen einzudringen und so eine Infektion hervorzurufen. Bakterien nützen dann oft die Gunst der Stunde der geschädigten Schleimhäute und des überlasteten Abwehrsystems und verursachen als Folge eine sogenannte Sekundärinfektion.

Einen akuten Infekt der Atemwege bezeichnen wir als Erkältung, Verkühlung oder grippalen Infekt. Insgesamt sind über 200 verschiedene auslösende Virustypen bekannt. Die Vielfalt der Erreger ist ein Grund dafür, dass der Körper keine Immunität gegen sie aufbauen kann.

Häufige Symptome

Am Anfang stehen oft Halskratzen oder Halsschmerzen. Die Nase rinnt und es fließt ein klares, wässriges Sekret mit Niesreiz. Aufgrund der entzündeten, angeschwollenen Nasenschleimhäute ist das Atmen sehr erschwert. Da auch die Schleimhäute in den Verbindungsgängen zwischen Nase und Ohren anschwellen können, entsteht häufig ein Druckgefühl in den Ohren oder auch Ohrenschmerzen. Ein trockener (Reiz-) Husten kündigt eine Ausweitung des Infektes zu den unteren Atemwegen hin an. Wird zusätzlich die Stimme heiser, ist auch der Kehlkopf infiziert. Man fühlt sich abgeschlagen und müde. Leichtes Fieber kann hinzukommen.

Nach zwei bis drei Tagen folgt die zweite Krankheitsphase. Der Schleim in der Nase wird zähflüssiger und der Husten zunehmend produktiv mit schleimigem Auswurf. In schwerwiegenderen Fällen können zusätzlich Kopfschmerzen, Kältegefühl, Fieber und Gliederschmerzen auftreten.

Mischen nun auch Bakterien mit, verfärbt sich der Schleim oft nach gelb-grün. Das Fieber steigt.

Vorsicht
Bakterielle Sekundärinfektionen wie Lungenentzündung, Mandelentzündung, Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung oder auch Bronchitis gehören immer in ärztliche Behandlung.

Eine Verkühlung ist meist harmlos und dauert etwa ein bis zwei Wochen. Wenn sich die Symptome einer Erkältung aber stark verschlechtern oder länger als zehn Tage unvermindert anhalten, sowie bei bestimmten Vorerkrankungen (wie z.B. Asthma, COPD, Immunsuppression), aber auch in der Schwangerschaft und Stillzeit, sollte stets ein Arzt aufgesucht werden.

Selbstmedikation

Die Therapie einer Erkältung kann immer nur symptomatisch erfolgen.

Halsschmerzen

Hier werden je nach Beschwerden lokal wirksame Medikamente z.B. in Form von Lutschtabletten und Halssprays eingesetzt. Ihre Inhaltsstoffe sind meist:

  • Lokalanästhetika wie z.B. Lidocain zum Schmerz betäuben
  • Keimtötende Mittel (Antiseptika), z.B. Chlorhexidin
  • Schmerzmittel (Analgetika), z.B. Flurbiprofen
  • Lokale Antibiotika, z.B. Tyrothricin
  • Schleimdrogen, z.B. Isländisch Moos

Husten

Bei der Therapie des verschleimten (produktiven) Hustens werden Expektoranzien (Husten- oder Schleimlöser), die das Abhusten des Schleims erleichtern wie z.B. Ambroxol, Acetylcystein, Bromhexin oder pflanzliche Wirkstoffe wie Thymian, Spitzwegerich oder Efeu eingesetzt.

Gegen den trockenen Reizhusten verwendet man Antitussiva (Hustenblocker) wie z.B. Dextrometorphan, Pentoxyverin oder Phytopharmaka (pflanzliche Arzneimittel) die Schleim gebende Pflanzen wie beispielsweise Isländisch Moos, Eibischwurzel unterschieden.

Vorsicht
Nicht jeder Husten ist für die Selbstmedikation geeignet. Vorsicht geboten ist, wenn ein Husten länger andauert und /oder Begleitsymptome wie z. B. Fieber, Brustschmerzen, Rassel- und Pfeifgeräusche auftreten.

Schnupfen

Auch hier sind synthetische und natürliche Wirkstoffe auf dem Markt. Chemische Wirkstoffe (Alpha-Sympatomimetika) wie z.B. Xylometazolin, Oxymetazolin in Nasensprays, Nasentropfen lassen die Nasenschleimhaut abschwellen, was zu einer schnellen Verbesserung der Atmung führt.

Vorsicht
Aufgrund möglicher Gewöhnungserscheinungen durch das Austrocknen der Nasenschleimhäute dürfen sie nicht länger als sieben bis zehn Tage lang eingesetzt werden.

Für Kinder und Säuglinge gibt es geringer dosierte Präparate. Natürliche Wirkstoffe wie Myrtol, Cineol, Holunderblüten usw. können den verdickten Schleim in der Nase lösen. Sie eignen sich auch zur Langzeitanwendung.

Salzhaltige Nasentropfen und -duschen verdünnen das Nasensekret und erleichtern so die Ausscheidung. Außerdem befeuchten sie die Nasenschleimhaut.

Schmerzen und Fieber

Hier helfen beispielsweise Acetylsalicylsäure auch in Kombination mit Immunabwehr-
stärkendem Vitamin C, Ibuprofen und Paracetamol sehr gut. Alle drei Wirkstoffe verfügen über schmerzstillende und fiebersenkende Effekte in unterschiedlichem Ausmaß. Acetylsalicylsäure und Ibuprofen wirken zudem entzündungshemmend. Acetylsalicylsäure ist bei Kindern unter zwölf Jahren kontraindiziert.

Achtung
Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, dürfen weder Acetylsalicylsäure noch Ibuprofen anwenden.

Um eine Erkältung schnell wieder los zu werden und möglichst niemanden anzustecken sollte man:

  • sich möglichst schonen und viel trinken
  • die Luft im Zimmer feucht halten z.B. mit Hilfe eines Luftbefeuchters, denn feuchte Schleimhäute sind abwehrstärker.
  • Gebrauchte Papiertaschentücher sofort wegwerfen und nach dem Schnäuzen die Hände waschen.
  • das Immunsystem unterstützen z.B. mit Vitamin C und Zink. Zinkpräparate kann man sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von Erkältungen einsetzen. Das Zink muss aber mit den Erregern in direkten Kontakt kommen. Deshalb eignen sich hier Lutschtabletten perfekt. Zink kann sowohl die Schwere als auch die Dauer des Infektes vermindern.

Besondere Vorsicht bei Kombinationspräparaten

In Erkältungspräparaten werden diese Wirkstoffe auch mit solchen gegen Husten und/oder Schnupfen kombiniert. Diese sollten nie ohne fachmännische Beratung selbstständig angewendet werden. Denn sie verursachen oft unerwünschte Nebenwirkungen und dürfen bei bestimmten Vorerkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Prostatavergrößerung, Schilddrüsenüberfunktion und vielen mehr nicht eingenommen werden. Außerdem können sie das Reaktionsvermögen beeinträchtigen (wichtig für Autofahrer).

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